Bandbreite und Trunking
Wer viele Gespräche gleichzeitig über eine Netzwerkverbindung führen will (z. B., wenn zwei Asterisk-Anlagen miteinander verbunden werden), der bekommt sehr schnell ein Bandbreitenproblem. Je nach Codec und Länge des Frames kann es sein, dass der IP-Overhead genauso oder sogar größer ist als die Nutzlast (also die übertragene Sprache). So bekommen Sie mit dem SIP-Protokoll und der Verwendung des GSM-Codecs auf einer 2-MBit/s-Datenleitung nur ungefähr 35 gleichzeitige Gespräche (wobei beide Gesprächspartner gleichzeitig reden können). 35 Gespräche über eine 2-MBit/s-Leitung ist aber nicht gerade viel. Heutige Breitbandanschlüsse und moderne Codecs wie Opus machen das Problem in der Praxis selten. Trunking bleibt trotzdem interessant, sobald man viele gleichzeitige Gespräche über eine Leitung schicken muss (Site-to-Site-Kopplung, knappe Uplinks).
Die geniale Idee am Trunking-Verfahren ist, nicht pro Nutzlastpaket auch einen Overhead zu erzeugen, sondern mehrere Nutzlastpakete zusammenzufassen und diese als ein Paket mit entsprechend nur einem Overhead zu versenden. Dadurch lässt sich die Bandbreite sehr stark reduzieren. So können Sie auf der gleichen 2-MBit/s-Datenleitung 77 simultane Gespräche führen (mit dem GSM-Codec). Möchten wir auf der gleichen Verbindung eine ISDN-Sprachqualität bekommen, können wir unter Einsatz von Trunking und dem G.726-Codec immer noch 44 simultane Gespräche führen.
Trunking wird nur im IAX2-Protokoll (siehe IAX) angeboten und sollte nur bei Verbindungen mit mindestens 2 simultanen Verbindungen benutzt werden, da der Overhead bei einer Verbindung geringfügig höher ist als ohne Trunking.
Wer sich intensiv mit der Bandbreitenproblematik auseinandersetzen will, der kann mit den Online-Bandwidth-Calculatoren verschiedener Asterisk-Community-Seiten die konkrete Auslastung für die gewünschte Codec-Kombination durchrechnen.